Orangerien - Welt der Pflanzen, Welt der Kunst
Die meisten Orangerien, Gebäude und Gartenparterre als Gesamtkunstwerk umfassend, entstanden zu Beginn des 18. Jahrhunderts, gemeinsam
mit der barocken Architektur und dem französischen Garten.
Im Mittelpunkt der vorbarocken Anlagen stand jedoch nicht die Architektur, sondern die Bewunderung der aus fremden Ländern
kommenden "Pomeranzenbäume". Erst in der Barockzeit wurde der Besitz von Orangenbäumen zur Metapher fürstlicher Tugend:
Orangen und Zitrusfrüchte wurden mit den goldenen Äpfeln aus dem mythischen Garten der Hesperiden am Ende der Welt gleichgesetzt,
die der Held Herkules nach der Tötung des Drachens, der die Bäume bewachte, als Preis seiner Tugend und als Symbol des ewigen Lebens
auf die Erde brachte.
In Versailles wurden diese symbolträchtigen Orangenbäumchen sogar in den Gemächern Ludwig XIV. aufgestellt.
Barocke Orangerien wurden dementsprechend nicht nur zur Überwinterung empfindlicher Pflanzen genutzt, sondern sie waren auch ein
Schauplatz höfischer Feste und Repräsentationen. Sie stellten somit einen bedeutsamen Teil des Schlossgefüges dar.
Die Orangerie des Palais Trautson in Wien (Architekt: J.B. Fischer von Erlach, Baujahr 1710) oder die Orangerie des
Landschlosses Schönborn in Göllersdorf (Architekt: J.L. von Hildebrandt, Baujahr 1716) sind Beispiele barocker
Orangeriegebäude.
Eine Besonderheit stellte das Wiener Schloss Belvedere dar: Die Pomeranzen blieben hier das ganze
Jahr über an ihrem Platz. Im Herbst wurde über ihnen ein hölzernes Orangeriegebäude errichtet, das im Frühling wieder abgetragen
wurde.
Die Orangerie Schönbrunn ist mit ihren 189 Metern Länge - mehr als das Schloss - und 10 Metern Breite
nach Versailles das größte Orangeriegebäude. Beide Orangerien sind auch die einzigen, die sich noch im
Betrieb befinden.
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